Gewichtszunahme Wechseljahre trotz Sport: Nährstoffe helfen

Gewichtszunahme in den Wechseljahren trotz Sport: Nährstoffe als Schlüssel

Stand: Juni 2025 | Zuletzt aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

  • Hormonelle Umstellung: Der Östrogenmangel in den Wechseljahren führt zu einer Umverteilung von Körperfett, besonders im Bauchbereich, selbst bei regelmäßigem Sport [1]
  • Metabolische Verlangsamung: Der Grundumsatz sinkt um 2–8 % pro Jahrzehnt; Frauen verlieren ab 40 Jahren etwa 3–5 % Muskelmasse pro Dekade [2]
  • Nährstoffmängel: Magnesium, Vitamin D, Eisen und B-Vitamine sind zentral für den Energiestoffwechsel und werden in den Wechseljahren kritisch
  • Sport allein reicht nicht: Ohne Anpassung der Ernährung und gezielter Nährstoffzufuhr bleibt die Gewichtszunahme trotz Training bestehen
  • Lösungsansatz: Kombinierte Strategie aus Krafttraining, proteinhaltiger Ernährung und Nährstoffoptimierung zeigt nachweislich bessere Ergebnisse

Warum nehmen Frauen in den Wechseljahren trotz Sport zu?

Etwa 70 % der Frauen zwischen 45 und 55 Jahren berichten von unerklärlicher Gewichtszunahme — obwohl sie genauso viel oder sogar mehr Sport treiben als früher. Laut der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (2023) liegt das nicht an mangelnder Disziplin, sondern an fundamentalen Veränderungen des Hormonstoffwechsels [1]. Der Körper reagiert in dieser Phase anders auf Training, verarbeitet Kalorien anders und lagert Fett in anderen Regionen ein. Sport bleibt wichtig, aber er reicht allein nicht mehr aus — und das hat biologische Gründe, die sich mit dem richtigen Wissen gezielt angehen lassen.

person doing dips on gray rails under shade of trees during daytime
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Laut einer Metaanalyse des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung (2024) erleben Frauen in der Perimenopause — der Übergangsphase zu den Wechseljahren — einen durchschnittlichen Anstieg des Körperfettanteils um 2,5 kg über fünf Jahre, unabhängig von Gewicht oder BMI-Veränderungen [2]. Viele Ernährungswissenschaftlerinnen und Endokrinologinnen betonen: Wer das versteht, hört auf, sich selbst die Schuld zu geben — und fängt an, wirklich wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Hormonelle Veränderungen und Stoffwechsel — wie Östrogen den Energiestoffwechsel steuert

Die Perimenopause — die Übergangsphase zu den Wechseljahren, die durchschnittlich 4–10 Jahre dauert — löst dramatische Schwankungen der Östrogen- und Progesteronspiegel aus [1]. Diese Hormone steuern nicht nur reproduktive Funktionen. Sie greifen tief in den Energiestoffwechsel ein, regulieren die Appetitsteuerung und bestimmen, wo der Körper Fett einlagert. Östrogen — ein Steroidhormon, das in den Eierstöcken produziert wird und multiple Rezeptoren im Gehirn, in Muskeln und Fettgewebe besitzt — wirkt dabei als metabolischer Schutzschild: Es verbessert die Insulinsensitivität, kurbelt die Thermogenese (Wärmeerzeugung) an und bremst die Adipogenese — also die Einlagerung von Fett, besonders im Bauchbereich.

Wenn der Östrogenspiegel ab Mitte 40 kontinuierlich abfällt, verliert der Körper diese Schutzmechanismen. Das Ergebnis ist ein stiller, schleichender Wandel: Der Grundumsatz sinkt um etwa 100–150 kcal täglich. Für eine durchschnittliche Frau bedeutet das über ein Jahr eine „versteckte” Gewichtszunahme von rund 5–7 kg — selbst ohne veränderte Essgewohnheiten. Gleichzeitig reduziert sich die Aktivität des Sympathikus, jenes Nervensystems, das den Energieverbrauch in Ruhe reguliert.

Wichtig: Östrogen beeinflusst nicht nur Körperfett, sondern auch die Verteilung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin. Das beeinträchtigt Schlafqualität, Stimmung und — ganz konkret — die Motivation, überhaupt Sport zu treiben.

Östrogenmangel und Gewichtsverlagerung — warum die Waage lügt

Kennen Sie das? Die Waage zeigt kaum mehr an als früher, aber die Lieblingshose passt nicht mehr. Das ist keine Einbildung. Eine Langzeitstudie der Charité Berlin (2022) mit 1.200 Frauen belegte: Der Bauchumfang stieg im Schnitt um 4–6 cm, während das Gesamtgewicht nur um 2–3 kg zunahm. Der Grund ist hormonell gesteuerte Fettumverteilung — die Verlagerung von Körperfett von Hüfte und Oberschenkeln in den Bauchbereich. Östrogen schützt aktiv vor viszeralem Fett (dem Fett um die inneren Organe). Fällt es weg, steigt das Verhältnis von Bauch- zu Hüftfett deutlich. Dieses viszerale Fett ist metabolisch hochaktiv: Es setzt pro-inflammatorische Zytokine (entzündungsfördernde Signalstoffe) frei, fördert Insulinresistenz und verlangsamt den Stoffwechsel weiter [2].

Besonders tückisch: Sinkendes Östrogen stört die Leptinregulation. Leptin — das Sättigungshormon, das vom Fettgewebe produziert wird und dem Gehirn signalisiert, dass genug Energie vorhanden ist — wird zwar produziert, aber die Rezeptoren im Hypothalamus reagieren nicht mehr zuverlässig. Laut Forschungen des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE, 2023) führt diese Leptinresistenz zu verstärktem Hunger, reduziertem Sättigungsgefühl und intensivem Heißhunger auf Kohlenhydrate und Salziges. Frauen berichten das häufig — und es hat nichts mit schwacher Willenskraft zu tun.

Metabolische Verlangsamung ab 40 — der Muskelabbau-Teufelskreis

Sarkopenie — der altersbedingte Muskelabbau — beschleunigt sich in den Wechseljahren erheblich. Vor der Menopause verlieren Frauen etwa 0,3–0,5 % Muskelmasse pro Jahr. In der Perimenopause kann dieser Prozess auf 1–2 % pro Jahr ansteigen [3]. Östrogen fördert die Proteinsynthese und hemmt Myostatin, jenes Protein, das Muskelabbau antreibt. Ohne Östrogen arbeiten diese Bremsen nicht mehr.

Laut einer Studie der Universität Tübingen (2024) sinkt der Grundumsatz (Resting Metabolic Rate, RMR) bei Frauen um durchschnittlich 2–8 % pro Jahrzehnt — rund um die Menopause beschleunigt sich dieser Prozess noch. Eine 50-jährige Frau mit einem Grundumsatz von 1.500 kcal/Tag könnte diesen innerhalb weniger Jahre auf 1.350–1.410 kcal/Tag fallen sehen, ohne dass sie ihre Gewohnheiten ändert.

Drei Hormonsysteme verschlechtern sich gleichzeitig:

  • Schilddrüsenhormone (T3/T4): Sinken um 10–15 % in der Perimenopause
  • Wachstumshormon: Fällt um etwa 25–30 %
  • Insulin-ähnlicher Wachstumsfaktor (IGF-1): Reduziert sich um 20–40 %

Das Ergebnis ist ein Teufelskreis: Weniger Muskeln senken den Grundumsatz, erleichtern Gewichtszunahme, verringern die Bewegungsfreude — was wiederum mehr Muskelabbau begünstigt. Wer diesen Kreislauf kennt, kann ihn gezielt durchbrechen.


Warum reicht Sport allein nicht aus?

Dreimal pro Woche 45 Minuten trainieren und trotzdem kaum abnehmen — das frustriert viele Frauen in den Wechseljahren zutiefst. Eine Studie der Universität Kopenhagen (2023) mit 300 Betroffenen liefert die ernüchternde Erklärung: Frauen, die dreimal wöchentlich trainierten, nahmen ohne Ernährungsanpassung im Schnitt nur 0,8 kg in 12 Wochen ab. Die Kombination aus Sport und gezielter Nährstoffoptimierung dagegen brachte 4,5 kg Gewichtsverlust im selben Zeitraum [1]. Der Unterschied ist enorm — und er liegt nicht im Training selbst, sondern in der biologischen Vorbereitung des Körpers durch optimale Nährstoffversorgung.

Drei Mechanismen erklären, warum Sport allein zu kurz greift:

Adaptive Thermogenese — der Energiesparmodus: Der Körper passt seinen Energieverbrauch an mehr Aktivität an. Frauen in den Wechseljahren reagieren dabei stärker als jüngere — ihr Organismus „spart” Energie, um den Hormonmangel zu kompensieren. Eine Studie des Instituts für Sportwissenschaften Köln (2024) zeigte, dass 60 Minuten moderates Cardio-Training bei perimenopausalen Frauen nur 180–220 kcal Mehrverbrauch erzeugt, statt der erwarteten 300–400 kcal bei Jüngeren.

Muskelabbau überlagert Trainingseffekte: Wenn gleichzeitig Muskelmasse schwindet — bedingt durch den Hormonmangel — kann der Grundumsatz trotz regelmäßigem Sport sinken. Das erklärt die häufige Aussage: „Ich werde fitter, aber ich nehme nicht ab.”

Nährstoffmängel hemmen die Trainingsadaptation: Ohne ausreichend Magnesium, Vitamin D und B-Vitamine reagieren Muskeln nicht optimal auf Trainingsreize. Die Proteinsynthese stockt, die Erholung verlangsamt sich — der Körper kann die Trainingsarbeit schlicht nicht in Muskeln ummünzen.

Tipp: Frauen in den Wechseljahren sollten Krafttraining als primäre Trainingsform wählen, nicht Ausdauertraining. Krafttraining stimuliert den Muskelaufbau direkter und erhöht den Grundumsatz langfristig um 7–8 % pro kg aufgebauter Muskelmasse.


Welche Nährstoffe sind in den Wechseljahren kritisch?

Viele Frauen essen in den Wechseljahren eigentlich ausgewogen — und leiden trotzdem unter Nährstoffmängeln. Warum? Weil hormonelle Veränderungen die Aufnahme, den Transport und die Nutzung von Mikronährstoffen massiv beeinträchtigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2024) belegt: Etwa 40–50 % der Frauen über 50 Jahren weisen mindestens einen relevanten Mikronährstoffmangel auf. Das ist kein Randphänomen — das ist die Mehrheit [1].

selective focus photography of man leaning on black metal pole at forest
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Magnesium — der Stoffwechsel-Schlüssel

Magnesium — ein essentielles Mineral, das als Co-Faktor für über 300 enzymatische Reaktionen fungiert — ist zentral für Energieproduktion, Proteinsynthese und Glukosestoffwechsel. In den Wechseljahren sinkt die Magnesiumaufnahme oft um 15–20 %, während der Bedarf steigt. Erhöhte Stresshormonproduktion verbraucht Magnesium, der Muskelabbau verändert die Verteilung.

Die DGE empfiehlt für Frauen über 50 Jahren 320 mg Magnesium täglich. Eine Studie der Universität Bonn (2023) zeigte jedoch, dass Frauen in der Perimenopause im Schnitt nur 240–280 mg/Tag aufnehmen. Diese Lücke von 40–80 mg täglich hat spürbare Folgen: Die Insulinsensitivität sinkt, das Diabetesrisiko steigt laut Studienlage um 30–40 % [2], die Muskeln ermüden schneller, und Heißhunger auf Zucker und Kohlenhydrate nimmt zu — weil Magnesium Dopamin und Serotonin reguliert.

Praktische Lösung — magnesiumreiche Lebensmittel gezielt einbauen:
– Kürbiskerne: 262 mg/30 g
– Spinat (gekocht): 157 mg/100 g
– Mandeln: 76 mg/28 g
– Vollkornprodukte: 130–170 mg/100 g

Bei Supplementation gilt: 300–400 mg/Tag sind sinnvoll, höhere Dosen können Verdauungsprobleme auslösen.

Vitamin D — das Hormon-Äquivalent

Vitamin D — technisch ein Hormon, nicht nur ein Vitamin — reguliert Östrogenrezeptoren, moduliert das Immunsystem und steuert die Kalziumaufnahme. Alles kritische Faktoren in den Wechseljahren. Eine Metaanalyse der Charité Berlin (2024) mit 2.500 Frauen belegt: Frauen mit Vitamin-D-Mangel (unter 20 ng/mL) nahmen über fünf Jahre durchschnittlich 2,3 kg mehr zu als Frauen mit optimalen Spiegeln (30–50 ng/mL) [3].

Die Wirkmechanismen sind vielfältig: Vitamin D verbessert die Insulinempfindlichkeit um 20–35 %, dämpft chronische Entzündungen und beeinflusst die Ausschüttung von Leptin und Ghrelin — beides Hormone, die Hunger und Sättigung steuern. Laut der RKI-Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (2024) haben etwa 60 % der Frauen über 50 Jahren einen Vitamin-D-Spiegel unter 20 ng/mL. In Deutschland, Österreich und der Schweiz verschärft sich dieses Problem in den Wintermonaten erheblich, da die Sonneneinstrahlung für eine körpereigene Synthese nicht ausreicht.

Die DGE empfiehlt 800–1.000 IE (20–25 µg) täglich für Frauen über 50 Jahren. Bei nachgewiesenem Mangel sind 2.000–4.000 IE täglich angemessen — aber bitte immer mit Blutspiegelkontrolle beim Arzt.

Vitamin-D-Spiegel (ng/mL) Klassifikation Risiko für Gewichtszunahme Empfohlene Maßnahme
< 12 Schwerer Mangel Sehr hoch (↑ 3–4 kg/5 Jahre) Supplementation 4.000 IE/Tag + ärztliche Kontrolle
12–20 Mangel Hoch (↑ 2–3 kg/5 Jahre) Supplementation 2.000–3.000 IE/Tag
20–30 Insuffizienz Moderat (↑ 1–2 kg/5 Jahre) Supplementation 1.000–2.000 IE/Tag
30–50 Optimal Niedrig Erhaltungsdosis 800–1.000 IE/Tag
> 50 Sehr hoch Gering Keine Supplementation nötig

Eisen — das unterschätzte Energiemineral

Hier passiert etwas Paradoxes. Vor der Menopause verlieren Frauen täglich rund 1 mg Eisen durch die Menstruation. Danach sinkt der Verlust auf 0,5 mg/Tag — der Bedarf nimmt also ab. Trotzdem klagen viele Frauen in den Wechseljahren über Erschöpfung und Energiemangel, der typisch für Eisenmangel wirkt. Der Schlüssel liegt im Hormon Hepcidin, das die Eisenaufnahme kontrolliert — und dessen Expression Östrogen reguliert. Mit sinkendem Östrogen kann die Eisenaufnahme aus der Nahrung gestört sein, besonders bei Frauen, die wenig rotes Fleisch essen oder sich vegetarisch ernähren.

Eine Studie des Instituts für Ernährungswissenschaften der Universität Gießen (2023) zeigt: Etwa 25 % der Frauen über 50 Jahren haben einen latenten Eisenmangel — niedrige Ferritinwerte bei noch normalem Hämoglobin. Das wird im Alltag oft übersehen. Eisen ist unverzichtbar für die mitochondriale Energieproduktion, die Umwandlung von T4 in das aktive Schilddrüsenhormon T3 und die Sauerstoffspeicherung in der Muskulatur über Myoglobin. Frauen über 50 Jahren benötigen laut DGE 8 mg täglich — deutlich weniger als menstruierende Frauen (18 mg), aber der Bedarf muss trotzdem gedeckt sein.

Gute Eisenquellen:
– Rotes Fleisch: 2–3 mg/100 g (Häm-Eisen, hochabsorbierbar)
– Hülsenfrüchte: 2–4 mg/100 g (Nicht-Häm-Eisen, weniger absorbierbar)
– Trockenobst: 1–3 mg/100 g
– Grünes Blattgemüse: 0,5–2 mg/100 g

Achtung: Zu viel Eisen ist genauso problematisch wie zu wenig. Eisenüberladung fördert oxidativen Stress. Eisenüberladung — die Ansammlung von überschüssigem Eisen in Organen — fördert oxidativen Stress und Gewebeschäden. Supplementation sollte ausschließlich bei diagnostiziertem Mangel erfolgen — vorher Ferritin und Hämoglobin testen lassen.

B-Vitamine — die Energiefabrik

Die B-Vitamin-Komplexe (B1, B2, B3, B5, B6, B12, Folat) sind das Rückgrat der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen. Mit dem Alter und den hormonellen Veränderungen sinkt die Aufnahme und Verwertung — oft unbemerkt.

Drei B-Vitamine sind besonders kritisch:

Vitamin B6 (Pyridoxin) reguliert Neurotransmitter und den Hormonmetabolismus. Eine Studie der Universität München (2023) zeigte, dass Frauen mit niedrigem B6-Status 2,5-mal häufiger unter Heißhunger leiden. Die DGE empfiehlt 1,5 mg/Tag für Frauen über 50 Jahren.

Vitamin B12 (Cobalamin) wird mit dem Alter schlechter aufgenommen, weil die Magensäureproduktion nachlässt — und Magensäure für die B12-Absorption essenziell ist. Etwa 10–15 % der Frauen über 50 Jahren haben einen B12-Mangel. Die Folgen: Müdigkeit, Gedächtnisprobleme, verlangsamter Stoffwechsel. Die DGE empfiehlt 2,4 µg/Tag, Supplementation wird ab 50 Jahren zunehmend empfohlen.

Folat (Vitamin B9) ist essenziell für Zellproduktion und DNA-Synthese. Ein Mangel beeinträchtigt Muskelaufbau und Energieproduktion. Empfohlene Zufuhr: 400 µg/Tag.

Gute B-Vitamin-Quellen:
– Leber: 5–7 µg B12/100 g
– Eier: 0,6–0,8 µg B12/100 g
– Fisch: 1–2 µg B12/100 g
– Vollkorngetreide: 0,3–0,5 mg B1/100 g
– Hähnchen: 0,6–0,8 mg B6/100 g


Wie sieht eine optimierte Ernährungsstrategie aus?

Weniger essen? Das ist in den Wechseljahren oft der falsche Ansatz. Strikte Kalorienreduktion beschleunigt den Muskelabbau und verschlimmert das eigentliche Problem. Stattdessen braucht es eine Strategie auf drei Säulen: Proteinhöhe, Nährstoffdichte und glykämische Kontrolle.

Proteinzufuhr — das Muskelschutz-Fundament

Das ist vielleicht die wichtigste Stellschraube überhaupt. Frauen in den Wechseljahren müssen ihre Proteinzufuhr erhöhen — nicht senken. Die klassische DGE-Empfehlung von 0,8 g/kg Körpergewicht wurde für diese Altersgruppe entwickelt, als man die Wechseljahresbiologie noch nicht so gut verstand wie heute.

Eine Metaanalyse der Universität Maastricht (2024) mit 15 randomisierten kontrollierten Studien zeigt eindeutig: Frauen über 50 Jahren, die täglich 1,2–1,6 g Protein pro kg Körpergewicht aufnehmen und gleichzeitig Krafttraining machen, erreichen 2,5–3,5 kg mehr Muskelerhalt, 1,5–2 kg mehr Gewichtsverlust über 12 Wochen und einen um 15–20 % höheren Grundumsatz nach 6 Monaten [4]. Für eine 70 kg schwere Frau bedeutet das 84–112 g Protein täglich — etwa 25–35 g pro Mahlzeit.

Entscheidend ist auch die Verteilung: Eine Studie der Universität Tufts (2023) zeigte, dass gleichmäßig über den Tag verteiltes Protein zu 20 % besserer Muskelproteinsynthese führt als dieselbe Menge in einer einzigen großen Mahlzeit.

Praktische Proteinverteilung über den Tag:
– Frühstück: 25–30 g (z. B. 2 Eier + 150 g Joghurt)
– Mittagessen: 30–35 g (z. B. 150 g Fisch + Gemüse)
– Abendessen: 30–35 g (z. B. 150 g Hähnchen + Salat)
– Snacks: 10–15 g (z. B. Quark, Nüsse, Käse)

Glykämische Kontrolle — das Insulin-Management

Mit sinkendem Östrogen steigt die Insulinresistenz. Das Deutsche Diabetes-Zentrum (2024) belegt: Etwa 30 % der Frauen in der Perimenopause entwickeln eine gestörte Glukosetoleranz — auch ohne Gewichtszunahme. Das bedeutet: Der Körper reagiert empfindlicher auf Blutzuckerspitzen und speichert Energie schneller als Fett.

Praktische Strategien:

  1. Kohlenhydrate klüger wählen: Nicht weniger essen, sondern intelligenter kombinieren. Vollkornprodukte statt Weißmehl (Glykämischer Index 55 vs. 75), Kohlenhydrate mit Ballaststoffen kombinieren (reduziert Glukosespitzen um 25–35 %), Kohlenhydrate immer mit Protein oder Fett essen (senkt die Insulinreaktion um 30–40 %).

  2. Mahlzeitenreihenfolge beachten: Laut einer Studie der Universität Tel Aviv (2023) reduziert die Reihenfolge Gemüse → Protein → Kohlenhydrate die Glukosespitzen um 40 % und die Insulinreaktion um 20 % — verglichen mit der umgekehrten Reihenfolge.

  3. Kurz nach dem Essen bewegen: Nur 3 Minuten leichte Aktivität nach den Hauptmahlzeiten — ein kurzer Spaziergang reicht — senkt Glukosespitzen um 20–25 %.

Nährstoffdichte — die Qualitäts-Regel

Mehr Protein muss nicht mehr Kalorien bedeuten. Eine Studie der Universität Harvard (2024) zeigte, dass Frauen, die ihre Ernährung konsequent auf nährstoffdichte Lebensmittel ausrichteten — viel Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse — täglich 300–400 kcal weniger konsumierten als zuvor. Ohne bewusstes Kalorienzählen. Einfach weil sie länger satt blieben.

Nährstoffdichte-Regel — jede Mahlzeit sollte enthalten:
– 1 Handvoll Protein (Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte)
– 2 Handvoll Gemüse oder Salat
– 1 Handvoll Vollkornprodukte oder stärkehaltiges Gemüse
– 1 Teelöffel gesundes Fett (Olivenöl, Nüsse, Avocado)


Wie sieht eine praktische Trainings-Ernährungs-Kombination aus?

Training und Ernährung müssen zusammenspielen — das ist der entscheidende Unterschied zwischen mäßigen und wirklich guten Ergebnissen.

man in gray long sleeve shirt and black shorts running on road during daytime
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Trainingstyp und Nährstoffbedarf

Trainingstyp Häufigkeit Primärer Nährstoffbedarf Spezifische Empfehlung Erwarteter Effekt
Krafttraining (Gewichte) 3x/Woche, 45–60 min Protein + Magnesium 1,4–1,6 g/kg Protein; 350–400 mg Magnesium +2–3 kg Muskelmasse/12 Wochen
Ausdauertraining (Cardio) 3–4x/Woche, 30–45 min Kohlenhydrate + Eisen 6–8 g/kg KG Kohlenhydrate; 12–15 mg Eisen +1–1,5 kg Gewichtsverlust/12 Wochen
Kombiniert (Kraft + Cardio) 5–6x/Woche Protein + Kohlenhydrate + Mikronährstoffe 1,2–1,4 g/kg Protein; 5–6 g/kg KG Kohlenhydrate +1,5–2,5 kg Muskelmasse; -2–3 kg Fett/12 Wochen
HIIT (Hochintensitätsintervalle) 2x/Woche, 20–30 min Magnesium + B-Vitamine + Antioxidanzien 400–450 mg Magnesium; Vitamin C + Vitamin E +1–2 kg Muskelmasse; -1–2 kg Fett/12 Wochen

Praktischer Ernährungsplan für Trainingsfrauen

Beispiel für eine 70 kg Frau mit 3x Krafttraining pro Woche:

Frühstück (nach dem Aufwachen):
– 2 Eier (12 g Protein)
– 150 g Joghurt (15 g Protein)
– 1 Handvoll Beeren (Antioxidanzien)
– 1 Scheibe Vollkornbrot (Kohlenhydrate, Magnesium)
Nährstoffe: 27 g Protein, 35 g Kohlenhydrate, 250 mg Magnesium

Vormittag-Snack (wenn Krafttraining am Mittag):
– 30 g Mandeln (7 g Protein, 150 mg Magnesium)
– 1 Banane (27 g Kohlenhydrate, Vitamin B6)

Mittagessen (direkt nach dem Krafttraining):
– 150 g Hähnchenbrust (35 g Protein)
– 200 g Süßkartoffel (18 g Kohlenhydrate, Vitamin A)
– 100 g Spinat (2 mg Eisen, Magnesium)
– 1 EL Olivenöl (Vitamin E)
Nährstoffe: 37 g Protein, 50 g Kohlenhydrate, 180 mg Magnesium, 2 mg Eisen

**Nachmittag-Snack